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Kaffee ist zum genießen da, nicht nur zum trinken Wie ich lernte, Kaffee wert zu schätzen, anstatt blind zu konsumieren

Ich stelle die These auf, dass fast alle Kaffee trinkenden Büromenschen, diesen meist blind konsumieren. Zumindest war dies bei mir so und ich sehe tagtäglich einige Menschen bei denen es genauso ist.

Alles änderte sich, als ich wegen eines Kaffees aus einer Jura Maschine zusammen zuckte. Der war echt eklig und ich fragte mich, warum ich diesen Kaffee nun schon ne ganze Weile trinke, ohne es bemerkt zu haben.

Habt ihr schon einmal einen Kaffeeautomaten geöffnet und geschaut wie es darin aussieht?

Ich dachte einfach nicht darüber nach, zapfte mir Kaffee um Kaffee aus der Maschine und trank. Er war verfügbar, schnell gemacht und jederzeit erreichbar. Doch nun benötigte ich Abhilfe und wechselte zum nächsten, verfügbaren Kaffee, dem Nespresso. Hier war der Geschmack wesentlich besser. Doch all dieser Müll, mit jedem Kaffee eine Kapsel und dabei ist nicht mal der Becher voll. Das waren dann meist so 6 Kapseln am Tag und auch hier verfiel ich wieder in blinden Konsum. Es ist ja auch alles super einfach, Becher drunter, Knopf drücken, fertig. Genau das richtige, es muss ja immer schnell gehen.

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie viele Becher ihr pro Tag trinkt? Ich konnte mir diese Frage jedenfalls nur selten beantworten. Es war schon so sehr Gewohnheit, dass ich mich nicht mehr daran erinnern konnte. Weder an die Tasse, noch an den Geschmack oder das tolle Braun eines Kaffees.

Wir trinken den Kaffee einfach so, während der Arbeit, während eines Meetings, in Eile, im „to go“ Becher, während des Laufens, etc. Oft wissen wir gar nicht welche Sorte, welche Röstung und wie viel Arbeit dahinter steckt. Wie bei fast allen immer verfügbaren Waren, welche für uns Menschen Gewohnheit geworden sind, machen wir uns keine Gedanken mehr. Dies kann aber heftige Auswirkungen haben, nicht nur den Verlust eines tollen Moments.

Denkt an unfaire Arbeitsbedingungen zur Produktion des Kaffees oder an die ca. 320000 „to go“ Becher, die jede Stunde im Müll landen. Klar, ab und zu ein „to go“ Becher oder Kaffee aus unbekannter Herkunft ist ja okay. Es wird nur kritisch, wenn es jeder macht, was bei Kaffee leider der Fall ist.

Kaffee ist viel zu wertvoll, um ihn im Pappbecher während des Laufens oder in Eile noch vor dem Meeting zu trinken. Klar auch das kann genießen sein, denn genießen geschieht auf viele Arten. Doch was wäre, wenn wir noch bewusster genießen? Statt noch schnell einen Kaffee „to go“, lieber hinsetzen. Statt Kapselmüll zu produzieren, den Kaffee frisch gemahlen aufsetzen. Sich den Kaffee servieren lassen. Mit allen Sinnen genießen.

Hangefilterter Kaffee vom Bunca Barista in Frankfurt am Main

Stellt es euch mal vor:

  • Auswahl haben.
  • Einen kleinen Smalltalk über die Sorte, Röstung und den zu erwartenden Geschmack.
  • Der frische Duft, wenn der Kaffee zubereitet wird.
  • Eine nette Person, die ihn euch bringt.
  • Ein gutes Gefühl, anderen Menschen einen fairen und guten Arbeitsplatz zu sichern.
  • Der erste Blick auf den Kaffee, eine wunderschöne Blume im Cappuccino oder einen leicht durchsichtigen, dennoch tief braunen, handgefilterten Kaffee in einer schönen Glaskaraffe. Ein starker, zähflüssiger Espresso.
  • Wieder der Geruch, diesmal intensiver.
  • Es breitet sich schon ein wohlsames Gefühl in euch aus, Gemütlichkeit, Ruhe, Entspannung.

Ich glaube, niemand genießt den Anblick eines herkömmlichen „to go“ Bechers, das Trinken an einem Plastikdeckel und sich die Lippen zu verbrennen. Auch die Müllhaufen, welche aus „to go“ Bechern oder Kapseln resultieren, sind nicht so hübsch anzusehen. Weitere Informationen, zu dem Problem der „to go“ Becher, findest du übrigens auf der Kampange „Becherheld“ der DUH

Doch warum kommt es eigentlich zu blindem Konsum? Selbst für mich weiß ich es noch nicht. War es die Schnelligkeit des Alltags, die Leichtigkeit, die Verfügbarkeit, was auch immer. All dies ist eigentlich total okay, solange es jemand anderen gibt der sich kümmert. Der die Maschine reinigt, der Bohnen kauft, die Kapseln bestellt, den ganzen Müll weg räumt, etc. Doch es geht eben auch anders: Schmackhaft, ruhig, entspannend, kräftigend, wohlriechend und schön anzusehen.

Falls es gerade nicht anders geht, als mit einem Kaffee „to go“, warum dann nicht einen schönen Edelstahl-Behälter nehmen. Passiert mir natürlich auch des öfteren, daher liebe ich meinen Becher von Klean Kanteen

Es gibt auch tolle Startups, wie Coffee-To-Go-Again die sich mit diesen Problemen beschäftigen. Im Idealfall kauft ihr euch also nicht nur einen eigenen Becher, sondern unterstützt zugleich ein Startup oder die DUH.

Anyway. Egal, wie ihr nach dem Lesen dieses Artikels Kaffee trinkt, eine Bitte:
Hört mit diesen „to go“ Papp-Bechern und Kapseln auf, die sind echt absolut grausam.

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