Interview

The Sensual Photography – Ein Interview mit Martin Hirsch

Selten haben mich Akt-Bilder so begeistert wie die von Martin Hirsch (@hirsch_martin). Seine Bilder sind facettenreich und er ist in der Lage Akt und Teilakt an jedem Ort gelungen umzusetzen, sei es im Studio oder in der Natur. Letztes Jahr hatte ich die Chance diesen herausragenden Fotografen kennenzulernen und konnte ihn auch für ein kleines Interview gewinnen.

Als Fotografen werden wir ja auch nach Ideen gefragt. Ich hörte schon öfter die Frage: “du hast da bestimmt eine tolle Idee“. Mir persönlich fällt es schwer Ideen aus dem Hut zu zaubern, wenn ich die Person nicht kenne oder auch nicht weiß was sie gut findet.

Wie bekommst/entwickelst du deine Bildideen?

Viele Ideen entstehen bei mir spontan während eines Shootings. Gerade wenn man ein Model hat das konstruktiv mitarbeitet, entstehen im Zusammenspiel immer wieder neue Gedankenspiele. Manche werden dann sofort umgesetzt, andere kommen auf meine Konzeptliste. Aber auch die sozialen Medien geben mir immer wieder schöne Anregungen.

von Martin Hirsch

Welche Fotografen Inspirieren dich?

Inspirieren ist vielleicht das falsche Wort, aber ich finde die Bilder von Andreas Jorns klasse. Er schafft es, Persönlichkeit und Stimmung in seinen Werken zu transportieren. Auch die Arbeiten von Maxim Guselnikov oder Sean Archer sind für mich immer wieder ein Ansporn. Zur Zeit lese ich ein Buch über Henri Cartier-Bressons Werke. Auch aus solchen Bildern hole ich mir Anregungen, auch wenn sie auf den ersten Blick eine ganz andere Art der Fotografie darstellen.

Besonders bei der Fotografie von Personen wird ja zusätzlich das ein oder andere Gimmick benutzt. Ich habe schon unter Anderem von zerschnittenen Folien vor der Linse gelesen, um den Fotos einen speziellen Touch zu verleihen.

Welches Equipment und welche Tools nutzt du für deine Ideen?

Gimmicks verwende ich eigentlich keine. Meine Bilder sind zumeist sehr straight und klassisch. In meinem kleinen Studio arbeite ich meist mit Blitzen, den dementsprechenden Lichtformern, Reflektoren, Aufhellern oder Abschattern. Outdoor nutze ich meist das vorhandene Licht. Aber hier kann man natürlich sehr schön vorhandene Strukturen nutzen. Zum Beispiel können ein paar Gräser zwischen Linse und Objekt, ein Bild schon wesentlich interessanter machen. Ab und an kommen Outdoor aber natürlich auch Blitze zum Einsatz. Die meiste Zeit arbeite ich mit einer Canon 5D Mark III, ab und an auch mal mit einer Fuji XT-2.

von Martin Hirsch

Ich stelle mir vor, gerade Akt-Bilder, wirken in schwarz-weiß besser und eleganter. Vielleicht ist es sogar etwas einfacher ein gutes SW anstatt einem Farbbild zu machen.

Du hast auf deinem Profil viele schwarz-weiß Bilder allerdings auch tolle Farbbilder, was bevorzugst du und warum?

Ich empfinde es keineswegs leichter ein gutes SW Bild zu machen als ein farbiges. Grundsätzlich bevorzuge ich eigentlich keine Richtung. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass ich Phasen habe in denen mir eine der beiden Richtungen einfach besser gefällt. Wenn, dann kann man höchstens bemerken, dass ich im Studio sehr oft SW und Outdoor zumeist Farbe bevorzuge.

Als Fotograf hat man natürlich ein paar Szenen, Posen und Outfits im Hinterkopf, welche man mit einem Model probieren könnte. Ich persönlich versuche immer aus dem Model herauszukitzeln, was die Person sich wünscht und was gut passen würde. Ich finde nämlich das Drumherum sollte sich nach der zu fotografierenden Person richten.

Wie findest du heraus, welche Szene, Pose und Outfit zum Modell passt?

Das entscheide ich bei einem neuen Model meist kurzfristig nach ein paar Testschüssen. Natürlich gibt es aber Posen, Outfits oder Stilrichtungen, die ich für bestimmte Modeltypen von vornherein ausschließe. Jedes Model ist anders. Das eigentlich schwierige ist es, aus jedem das für ihn passende ‚herauszukitzeln‘.

Arbeitest du mit den Modellen auf spezielle Posen hin, welche du im Kopf hast oder lässt du das Model einfach machen und fängst den Moment ein?

Beide Arbeitsweisen sind mir nicht fremd. Das hängt auch wieder sehr stark von der Person ab. Da ich grundsätzlich ‚ehrliche‘ Posen bevorzuge, ist es mir natürlich lieber wenn ich ein Model nicht so stark anleiten muss. Mir ist eine vielleicht nicht perfekte aber dafür natürliche Ausstrahlung wesentlich lieber, als ein durch und durch gestyltes Bild bei dem das Model fast untergeht.

von Martin Hirsch

Ich kann mir vorstellen, dass es relativ schwer ist sich als Model vor einem “Fremden” so fallen zu lassen.

Was machst du um diese Hürde mit dem Model zu überwinden, was würdest du sagen sind die Eisbrecher?

Eigentlich nichts Besonderes, zumindest nichts was mir bewusst wäre. Natürlich versuche ich von Anfang an eine lockere Stimmung zu schaffen. Eine bisschen Smalltalk, vielleicht ein Kaffee dazu, das hilft gerade bei Einsteigern sehr um ihnen etwas die Nervosität zu nehmen. Aber ich denke, das wichtigste ist einfach eine gewisse Sympathie. Wenn es zwischenmenschlich passt, dann kann man bei einem Shooting eigentlich nicht mehr viel falsch machen. Der größte Fehler eines Fotografen ist es, sich hinter der Arbeit oder der Kamera zu verstecken. Wenn man ‘besondere’ Bilder haben möchte, gilt das im gleichen Masse übrigens auch für Profimodels. Ansonsten bekommt man halt nur die üblichen Standards 😉

Auf keinen Fall kommt es plump oder billig daher, sondern es respektiert die abgebildeten Personen.– Martin Hirsch über ein gutes Aktbild

Du sprichst in deinem Blog unter Anderem darüber, warum du Aktfotografie machst und gibst, sehr schön beschrieben, deine Sicht wieder. Auch kämpfst du mit dem Klischee, dass Akt-Fotografen ja nur nackte Menschen sehen wollen. Mich würde hier interessieren, wie sich Aktfotos ergeben, insbesondere als unbekannter nicht-Fotograf würde es mir schwer fallen ein Model danach zu fragen. Schließlich möchte man ungern in das negative Klischee rutschen.

Sicherlich bist du Heutzutage für gute Aktfotografie bekannt, aber wie war es am Anfang? Haben die Models dich oder du die Models gefragt?

Das ist verschieden. Aber oft ergibt sich so etwas bei einem anderen Shooting. Da ich während eines Shootings eher kommunikativ bin als mich hinter der Kamera zu verstecken, redet man natürlich auch über solche Themen. Häufig hört man dann von den Models, dass sie eigentlich schon mal Lust hätten ein Aktshooting zu machen, sich aber nicht so recht trauen, da Ihnen das Vertrauen fehlt. Genau so war es eigentlich auch als ich anfing Akt zu fotografieren. Mein allererstes Aktshooting war allerdings eher Zufall. Es fand in einem kleinen Fluss statt und war eher dem Umstand geschuldet, dass das Model seinen Badeanzug vergessen hatte. Wir haben dann kurzerhand aus der Not eine Tugend gemacht und das Wasser selbst aber auch Büsche, Äste und Steine genommen um das ganze jugendfrei zu gestalten. Das war im Übrigen eines meiner lustigsten Shootings überhaupt und ich habe dabei sehr viel über die Notwendigkeit der Improvisation bei Shootings gelernt. Seitdem gehe ich auch viel entspannter an neue Aufgaben heran.

von Martin Hirsch

Improvisation ist ein gutes Stichwort. Ich tendiere dazu Fotoshootings zu planen, vor Ort kommt es dann meist anders. Daher Frage ich mich, ob es überhaupt möglich ist ein Shooting richtig zu planen. Insbesondere bei bezahlten Sessions stelle ich mir vor, dass dies ein großer Kritikpunkt sein könnte.

War das je ein Problem/Thema für dich und wie steuerst du Erwartungen?

Da muss man natürlich sehr stark zwischen Auftragsarbeiten und freien Shootings unterscheiden. Bei Auftragsarbeiten ist der Erwartungshaltung anders. Der Rahmen ist meist vorgegeben und das Ziel klar definiert. Nicht umsonst arbeiten die guten Profis gerne an Orten mit verlässlichem Licht oder Wetter, das hat neben den schöneren Locations auch noch rein praktische Gründe. Freie Shootings laufen da meist etwas anders ab. Manchmal habe ich das fertige Bild schon im Kopf bevor ich auch nur das passende Model oder die Location gefunden habe. Da ist eine Planung dann natürlich sehr wichtig um genau dieses Bild zu bekommen. Was aber nicht heißt, dass am Rande solch eines Shootings nicht spontan auch andere Bilder entstehen. Oft genug erweist sich die Idee aber auch mal als Schnapsidee oder irgendwas anderes läuft schief. Das Wetter oder Baustellen die gestern noch nicht da waren, sind da gute Beispiele. Dann ist die Planung natürlich sofort futsch und das Improvisieren beginnt. Natürlich könnte man dann auch sofort heim fahren, aber das sehe ich etwas lockerer. Für mich spielt auch der Spaß an einem Shooting eine große Rolle in der Fotografie.

von Martin Hirsch

Du hast in Facebook letzes Jahr einen Post darüber geschrieben, dass Leute deine Beiträge Teilen oder mit “gefällt mir” markieren sollen. Dies wäre wichtig um weiterhin so tolle Inhalte zu liefern. Ich persönlich denke auch oft, Feedback generell sollte besser ausfallen. Mit besser meine ich, es sollte Feedback geben. Oft sehe ich, dass ein Bild enorm viel Reichweite hat aber nur wenige Likes oder Kommentare, dies finde ich wirklich schade.

Was würdest du dir von den Betrachtern deiner Bilder wünschen?

Auf jeden Fall sich Zeit für das Betrachten zu nehmen. Viele Bilder offenbaren ihren Charme nicht sofort beim ersten Betrachten. Da langt ein Blick oftmals nicht aus. Leider ist durch die heute herrschende Bilderflut eine so große Sättigung eingetreten, dass Fotos nur noch als Durchlaufgut gesehen werden. Aber ich würde mich natürlich auch über Kommentare jeglicher Art freuen. Eine konstruktive Kritik sehe ich dabei genauso gerne wie ein einfaches Lob. Man fotografiert zwar für sich selbst, aber möchte seine fertigen Werke natürlich auch einem Publikum präsentieren und ein Feedback bekommen.

Instagramm Profil von Martin Hirsch: @hirsch_martin
Blog/Website: https://www.martin-hirsch.com/

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